Eine Katze, die nachts um drei durchs Wohnzimmer flitzt, am Sofa kratzt oder grundlos laut miaut, ist nicht unbedingt ungehorsam. Oft fehlt ihr einfach die nötige Beschäftigung. Dieser Ratgeber zur artgerechten Gestaltung des Katzenlebens hilft Ihnen, die Bedürfnisse Ihrer Wohnung besser an die natürlichen Verhaltensweisen Ihrer Katze anzupassen: Jagen, Klettern, Kratzen, Verstecken, Beobachten und Ausruhen.
Wohnungskatzen haben Sicherheit, Futter und Pflege in unmittelbarer Nähe. Das macht das Leben komfortabel, aber auch vorhersehbar. Beschäftigungsmöglichkeiten durchbrechen diese Vorhersehbarkeit auf sichere und machbare Weise. Dafür müssen Sie keinen kompletten Katzenparcours in Ihrer Wohnung aufbauen. Mit der richtigen Kombination aus Kratzmöglichkeiten, Klettermöglichkeiten, Spiel und Futterherausforderungen gestalten Sie jeden Tag interessanter.
Was versteht man unter Beschäftigungsmöglichkeiten für Wohnungskatzen?
Katzenbeschäftigung bedeutet, die Umgebung so zu gestalten, dass Ihre Katze ihren natürlichen Verhaltensweisen nachgehen kann. Es geht dabei nicht nur um Spielzeug. Ein Karton, ein erhöhter Ruheplatz, ein sicherer Aussichtspunkt am Fenster oder die Suche nach Futter in einem Futterpuzzle können allesamt wertvolle Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.
Die beste Vorgehensweise hängt von Ihrer Katze ab. Eine junge, aktive Katze braucht oft kurze Jagd- und Kletterpartien. Eine ältere Katze profitiert eher von bequemen Ruheplätzen, ungestörter Futtersuche und leicht zugänglichen Kratzmöglichkeiten. Auch eine ängstliche Katze oder eine Katze in einem Mehrtierhaushalt benötigt ausreichend Versteckmöglichkeiten und einen eigenen Bereich.
Ziel ist es nicht, Ihre Katze den ganzen Tag zu beschäftigen. Katzen schlafen viel. Vielmehr geht es darum, ihr Momente der Aktivität, der Kontrolle und der Entspannung zu ermöglichen, damit Langeweile und Frustration weniger Chancen haben.
Beginnen Sie mit dem Raum, nicht mit dem Spielzeug.
Ein einzelnes Spielzeug lässt sich leicht besorgen, doch die Einrichtung der Wohnung hat oft einen größeren Einfluss auf das Wohlbefinden Ihrer Katze. Beobachten Sie zunächst, wie sich Ihre Katze in den Räumen bewegt. Gibt es Orte, an denen sie sich sicher bewegen, zurückziehen und ihre Umgebung beobachten kann?
Die Höhe bietet freie Sicht und Ruhe.
Katzen suchen von Natur aus gerne erhöhte Plätze. Von einem stabilen Kratzbaum, einem Wandregal oder einer Fensterbank aus können sie sich ausruhen und ungestört beobachten. Dies ist besonders praktisch in Familien mit Kindern, Hunden oder mehreren Katzen.
Wählen Sie einen Kratzbaum, der der Größe und dem Gewicht Ihrer Katze entspricht. Ein hoher Kratzbaum sollte nicht wackeln, wenn die Katze darauf springt. Für große oder kräftige Katzen ist ein breiter, schwerer Standfuß unerlässlich. Stellen Sie mindestens einen erhöhten Ruheplatz in eine ruhige Ecke und, falls dies gefahrlos möglich ist, einen zweiten mit Blick aus dem Fenster auf.
Achten Sie auf die Sicherheit Ihrer Fenster. Kippfenster können für Katzen, die versuchen, hindurchzukriechen, gefährlich sein. Verwenden Sie geeignete Fenstersicherungen und stellen Sie sicher, dass keine Sichtfenster eine Fluchtmöglichkeit bieten.
Kratzen ist Pflege *und* Kommunikation
Kratzen hält die Krallen in gutem Zustand, hilft Katzen, sich zu strecken, und hinterlässt Duft- und Sichtspuren. Ein Kratzbrett neben dem Sofa ist daher kein unnötiger Luxus, wenn Ihre Katze dort gerne kratzt. Es ist sinnvoller, eine geeignete Alternative in der Nähe des Lieblingskratzplatzes zu platzieren, als die Katze ständig wegzuschicken.
Bieten Sie Ihrer Katze am besten verschiedene Kratzmöglichkeiten an: einen Sisalstamm, ein Kratzbrett aus Pappe und gegebenenfalls eine Kratzmatte. Manche Katzen strecken sich gerne an einem hohen Stamm aus, andere kratzen lieber nah am Boden. Ersetzen Sie abgenutzte Kratzbretter rechtzeitig und achten Sie darauf, dass sich keine Sisalfasern lösen und eine Gefahr darstellen.
Unterkünfte verhindern Unruhen
Ein offener Korb ist für eine selbstbewusste Katze angenehm, aber ein geschlossener Korb, Tunnel oder eine Box bietet mehr Sicherheit, wenn Besuch da ist oder im Haushalt viel los ist. Versteckmöglichkeiten sollten nicht nur auf dem Boden stehen. Ein abgedeckter Korb auf einem Schrank oder Regal kann für eine Katze viel attraktiver sein.
In einem Mehrkatzenhaushalt ist die richtige Verteilung wichtig. Ein einziger Lieblingsplatz, ein einziger Kratzbaum und ein einziger Durchgang können unnötige Spannungen erzeugen. Bieten Sie mehrere Ruheplätze, Kratzmöglichkeiten und Wassernäpfe an, damit die Katzen nicht ständig aneinander vorbeirennen oder sich gegenseitig verjagen müssen.
Spiel, das das Jagdverhalten anspricht
Katzen haben meist wenig Interesse an Spielzeug, das die ganze Woche am selben Platz liegt. Es wird quasi zum Möbelstück. Deshalb sollte man die Spielzeuge regelmäßig austauschen und manche wegräumen. So wirkt ein bekanntes Spielzeug nach ein paar Tagen wieder interessant.
Interaktives Spielen mit einer Angelrute oder einem Spielzeug an einer Schnur ist besonders vorteilhaft, da man die Bewegung anpassen kann. Lassen Sie das Spielzeug nicht ständig vor der Nase Ihrer Katze baumeln. Führen Sie es zunächst um eine Ecke, unter einen Teppich oder entlang einer Möbelkante. Ein Spielzeug, das ab und zu verschwindet, weckt mehr Neugierde als eines, das immer in Reichweite ist.
Eine gelungene Spielrunde verläuft meist so: Beobachten, Anschleichen, Jagen, Springen und Fangen. Gönnen Sie Ihrer Katze ab und zu einen richtigen Sieg. Beenden Sie das Spiel am besten mit einer kleinen Portion Futter oder einem Leckerli. Das entspricht dem natürlichen Rhythmus von Jagen, Fressen und Ausruhen.
Kurze Spieleinheiten sind oft effektiver als eine lange. Zwei bis vier Spieleinheiten von fünf bis zehn Minuten können bereits einen großen Unterschied machen. Hören Sie auf, sobald Ihre Katze weggeht, sich hinlegt oder offensichtlich kein Interesse mehr zeigt. Zu langes Spielen kann Frustration hervorrufen.
Benutzen Sie Hände und Füße nicht als Spielzeug, auch nicht bei Kätzchen. Ein Kätzchen, das lernt, dass sich bewegende Hände Beute sind, kann dieses Verhalten später beibehalten. Wählen Sie stattdessen eine sichere Angelrute, eine weiche Maus oder einen Ball. Überprüfen Sie Spielzeug regelmäßig auf lose Fäden, Federn, Kleinteile und Beschädigungen.
Die Anreicherung des Futters macht das Essverhalten weniger vorhersehbar.
Der Futternapf ist zwar praktisch, bietet aber wenig Abwechslung. Mit Futteranreicherung hingegen kann Ihre Katze einen Teil ihrer Tagesration suchen, rollen, schieben oder aus einem Futterpuzzle herausholen. Das regt die geistige Aktivität an und verlangsamt oft auch das Fressen.
Fangen Sie einfach an. Verstecken Sie ein paar Trockenfutterbrocken in einem leeren Eierkarton, streuen Sie sie an sicheren Orten aus oder verwenden Sie einen einfachen Leckerliball. Wenn Ihre Katze das schnell versteht, können Sie zu ... übergehen. ein Essensrätsel mit Schiebern oder Fächern. Zu schwierige Puzzles sind kontraproduktiv: Eine Katze, die nicht an das Futter gelangen kann, gibt auf oder wird ungeduldig.
Futterergänzungsmittel sollten als Teil der normalen Tagesration und nicht als zusätzlicher Snack verwendet werden. Besonders übergewichtige Katzen profitieren davon, langsamer zu fressen und sich mehr zu bewegen. Die Gesamtenergiezufuhr muss jedoch ihrem Gewicht, Alter und Gesundheitszustand entsprechen. Wenn Sie sich bezüglich der richtigen Menge unsicher sind, fragen Sie Ihren Tierarzt um Rat.
Nassfutter erfordert eine andere Vorgehensweise. Sie können eine kleine Portion anbieten am eine Leckmatte oder in einem geeigneten Futterpuzzle. Achten Sie auf Hygiene: Entfernen Sie Futterreste umgehend und reinigen Sie das Material täglich. Besonders bei warmem Wetter sollte feuchtes Futter nicht lange stehen gelassen werden.
Die Sinne nutzen, ohne Ihre Katze zu überreizen
Zur Beschäftigung einer Katze gehören auch ihre Seh-, Geruchs- und Hörsinne. Ein sicherer Platz am Fenster kann ihr stundenlang Freude bereiten und ihr ermöglichen, Vögel, Passanten und die Geräusche draußen zu beobachten. Achten Sie darauf, dass Ihre Katze nicht ständig frustriert ist, weil sie Tiere nicht erreichen kann. Bei manchen Katzen führt der Anblick anderer Katzen draußen sogar zu Revierkampf. In diesem Fall sollten Sie die Sicht vorübergehend versperren oder ein ruhigeres Fenster wählen.
Katzenminze, Matatabi oder Baldrian können für manche Katzen angenehm sein, aber nicht jede Katze reagiert darauf. Führen Sie diese Produkte daher sparsam ein und beobachten Sie die Wirkung. Eine Katze, die aufgeregt oder gereizt reagiert, profitiert nicht unbedingt davon. Duftstoffe sollten eine bewusste Entscheidung sein und nicht zu einer Duftwolke führen, die sich im ganzen Haus ausbreitet.
Kartons, Papiertüten ohne Henkel und Tunnel bieten ebenfalls Abwechslung. Vermeiden Sie dünnes Plastik, Frischhaltefolie und Gegenstände, in denen sich eine Katze verfangen könnte. Sicherheit hat immer oberste Priorität, egal wie neugierig Ihre Katze ist.
Erstellen Sie eine praktikable Wochenroutine
Die beste Anleitung zur Beschäftigung von Wohnungskatzen ist keine Liste mit zwanzig Produkten, sondern eine feste Routine. Planen Sie beispielsweise eine kurze Spielzeit vor dem Frühstück, Futterspiele tagsüber und eine zweite Spielzeit am Abend ein. Wechseln Sie die Spielzeuge alle paar Tage, stellen Sie einen Korb um oder bieten Sie einen neuen Karton an.
Beobachten Sie das Verhalten Ihrer Katze. Wenn sie entspannter ruht, konzentrierter spielt und weniger Aufmerksamkeit fordert, sind das gute Zeichen. Kratzt Ihre Katze plötzlich viel mehr, versteckt sie sich, frisst weniger oder ändert sich ihr Verhalten drastisch, sollten Sie dies nicht automatisch auf Langeweile schieben. Schmerzen, Krankheit und Stress können ähnliche Signale auslösen. Im Zweifelsfall wenden Sie sich an einen Tierarzt.
Eine kleine Anpassung, die den Vorlieben Ihrer Katze entspricht, ist meist wirkungsvoller als ein vollgestelltes Haus. Bieten Sie ihr einen stabilen Kratzbaum in sicherer Höhe, etwas zum Suchen und schenken Sie ihr täglich einen Moment Ihrer Aufmerksamkeit. So wird aus einem gewöhnlichen Wohnzimmer ein Ort, an dem sich Ihre Katze wirklich wie eine Katze fühlen kann.
